Soziologie-ein fliegender Holländer? https://soziologiedesunbewussten.blogspot.be/2015/12/blog-post

Soziologie- ein fliegender Holländer?

Mein Artikel aus "soziologie heute", Oktober 2015, s. Blog-Artikel vom 2.12.2015

Dienstag, 17. November 2015

Terrorismus

Terrorismus und extreme GEWALT!

Soziologische Tatsachen!

Die legalen Möglichkeiten in einer parlamentarischen Demokratie, die emotional-ideologisch von einem letztlich absurden Toleranz- und Freiheitsbegriff geprägt sind und andererseits die politische Form, die den imperialistischen Kapitalismus und damit EINEN AUSLÖSER dieser Gewalt-Extreme, mit befördert,

sind einer dezentralisiert organisierten, islamistisch-fanatischen Gewalt (z.B. Bereitschaft zum Selbstmord) ohne legal-demokratisch konsensorientierte Entscheidungshindernisse, die diese systematische Schwachstelle des parlamentarischen Liberalismus gnadenlos benutzt,

SOZIOLOGISCH-STRUKTURELL

HOFFNUNGSLOS unterlegen.

Die weltweite Zuwachs des Islam, hauptsächlich verursacht durch die religiös beeinflusste Familienstruktur und die Geburtenrate, bedrohen den Liberalismus in der kapitalistischen Form mit den damit zusammenhängenden Säkularisierungen und der dramatischen Änderung der Familienstrukturen und der Geburtenrate, zusätzlich GRUNDLEGEND.

Der Liberalismus in dieser Form schaufelt sich emotional-ideologisch sein eigenes Grab, ohne diese zwangsläufige, absehbare Entwicklung selbst intellektuell mit seinen Kategorien begreifen zu können.

Die Duldung des Islamismus durch die Mehrheit der gemäßigten Moslems mit einem schweigenden, wahrscheinlich heimlich sympathierenden Anteil, der die Folgen für die eigene, liberalere Einschätzung möglicherweise unterschätzt (im Nationalsozialismus passierte Ähnliches), tut ein Übriges!

Donnerstag, 5. November 2015

PROBIEREN geht über STUDIEREN!?


Der unübersehbare Erfolg systemisch-konstruktivistischer Arbeit scheint zu beweisen, dass Wissenschaft auf Experimente und demokratische Vielfalt reduzierbar ist.

Bis zu einem bestimmten Niveau von Erkenntnis trifft das auch zu, wie die Volksweisheit es nahe legt.

Vor allen Dingen sind „trial & error“ verbunden mit statistisch normalem Denken, das in der gegenwärtigen demokratistischen Gesellschaft dominierend ist, erfolgversprechender als der Versuch, komplexe REALE STRUKTUREN mit mittelmäßigem Denken ALLEINE zu erfassen und zu verändern.

Der systemische Konstruktivismus stößt da an seine REALEN Grenzen, wo reale STRUKTUREN (bewusste und unbewusste, formale und informelle, genetische und gesellschaftliche) nicht mehr von der INTERAKTIONISTISCHEN Ebene aus variierbar sind.
Das ist für intelligente Beobachter ohne emotional-ideologische Scheuklappen, seien sie liberalistisch oder sozialistisch gefärbt, evident und täglich offenkundig, ganz abgesehen von den historischen Erfahrungen.

Dann führt nur, jenseits von zufälligen AUSNAHMEN, DENKEN im anspruchsvollsten Sinn, verbunden mit der entsprechenden unwahrscheinlichen Abstraktionsfähigkeit, zu wahrscheinlichen, strategisch-strukturellen Lösungen auf der Basis systematisch-WISSENSCHAFTLICHER Erkenntnis.

Es reicht auf Dauer keine systemtheoretische Metatheorie, die das Ganze holistisch zu recht in den Vordergrund vor die Einzelheit rückt. Das ist zwar heuristisch sehr anregend.
Aber WIE das Ganze, die STRUKTUR auf die Elemente der Struktur WIRKT, muss explizit, implizit werden reale Ursachen-Wirkungszusammenhänge unbegriffen immer vorausgesetzt, in einer wissenschaftlichen Theorie formuliert werden.

Nur Theorie im besten Sinn des Begriffs kann das Augenmerk dann auf Perspektiven richten, die von UNTEN systemisch nicht erkennbar sind.

Mit einer Gesellschaft kann man nicht herum experimentieren wie mit einer Familie oder einer Verkaufsabteilung, es sei denn, man nimmt Kriege, Katastrophen und Gewaltexzesse in Kauf.

Ein Unternehmen kann von unten und in einzelnen Abteilungen interaktionistisch optimiert werden, mit entsprechender Führungsverantwortung von oben.
Aber es so zu führen von oben, wäre eine gewerkschaftlich-sozialistische ILLUSION, die bisher noch NIE auf dieser Ebene funktioniert hat und immer in Konkurs und Korruption geendet ist.

Wenn gesellschaftliche Exzesse (z.B. Nationalsozialismus/DDR usw.) allerdings NICHT wissenschaftlich begriffen werden und zu einer neuen Soziologie als WISSENSCHAFT führen, sind Endlosschleifen vorprogammiert.

Hoffnung! Selbstverständlich!

Die Evolution der Menschheit macht ein rationales Lernen auf der Basis von Unwahrscheinlichkeiten und AUSNAHMEN wahrscheinlich!

Die "Soziologie des Unbewussten" und der "methodologische Strukturalismus" deuten eine Richtung an, die von der heuristisch anregenden systemtheotretischen Metatheorie ohne wissenschaftstheoretisch-methodologisches Fundament zu einer WISSENSCHAFTLICHEN Soziologie führen kann.

Von der funktionalistischen Autopoiesis zur kausalwissenschaftlich begreifbaren WIRKUNG von STRUKTUREN!

Die populäre „WIR-Ideologie“ ist allerdings keine rational nachvollziehbare, gesellschaftliche  Alternative zu den bestehenden Gesellschafts-STRUKTUREN, sondern eine naive, emotional-ideologische Phantasterei des interaktionistischen Konstruktivismus, dem der gesunde Menschenverstand und die OBJEKTIVE Wirklichkeit abhanden gekommen sind.

Dienstag, 27. Oktober 2015

Die dominierende Macht des Unbewussten!


Die IRRATIONALITÄT der universitären, rationalistischen Soziologie!

Die psychologische Basis meiner "Soziologie des Unbewussten"!
 
Menschliches Verhalten wird STRUKTURELL a-rational gelenkt!

Maximal 0,1% sind bewusst gesteuerte Vorgänge im Gehirn (Gerhard Roth)!


Bis vor Kurzem galt das innere Wesen des Menschen als unerreichbar. Ein finsterer Ort, weit von uns entfernt und doch so nah. Wer weiß, was da an unentdecktem „Bösen" im Unbewussten lauert, was für unerwünschte…
DIE WELT

Montag, 19. Oktober 2015

Cognitive Bubbles

BROT und SPIELE!

Zuerst kommen die "Spiele", zum Schluss das "Brot"!

Angus Deaton erhält den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften 2015!

Er bestätigt eindrucksvoll die "Soziologie des Unbewussten" und deren Konzeption des Menschen als "symbolisches Tier"!

Er betont, dass die Wirtschaftswissenschaft eine SOZIALwissenschaft ist und das Modell des "homo oeconomicus" an der gesellschaftlichen Wirklichkeit vorbei geht.

A-rationale Aspekte steuern das Verhalten der Menschen STRUKTURELL!

Beispiel:
""Cognitive Bubbles" nennt er den Effekt, wenn eine hysterisierende Berichterstattung die Selbstwahrnehmung der Menschen trübt. Und er schließt mit dem skeptischen Ausblick, dass in einer "Welt von Brot und Spielen" die Glücksforschung so lange mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen habe, wie sich die Menschen durch eine aufgeblasene Berichterstattung über das Herannahen des Valentinstags stärker beeindrucken lassen als durch die Verdopplung der Arbeitslosenrate. Denn in diesem Fall, so Deaton, misst man nur die Spiele und nicht das Brot.

Ein ausgesprochener Pessimist ist der neue Nobelpreisträger deswegen aber beileibe nicht. "Das Leben ist heute ­besser als jemals zuvor in der Geschichte der Menschheit", schrieb er in seinem 2013 erschienenen Buch "The Great Escape". Sein Fazit: "Mehr Menschen sind reicher, weniger leben in absoluter Armut."
(www.finanzen.net vom 19.10.2015)

Sonntag, 11. Oktober 2015

Die Soziologie der Rassen



Der nachfolgende Artikel von mir fiel der „qualitativen“ ZENSUR von Prof. von Unger zum Opfer, die ihre qualitativen „Race“-Kategorien re/visited“ (klingt doch irgendwie international wissenschaftlich, oder?) nach einer Veranstaltung in Südafrika im Blog der DGS zum Besten gab, und wurde NICHT freigeschaltet.

Wie üblich wurde Wissenschaft mit gesinnungsethisch korrekt aufgearbeiteten selektiven Perspektiven der emotional-ideologischen Komfortzone „universitäre Soziologie“ auf das Thema „Rasse“ verwechselt.

Die Isolation der Soziologie-Beamten spitzt sich immer mehr zu und das Theater um des „Kaisers neue Kleider“ wird immer amüsanter!

Hier mein BeitragsVERSUCH zur soziologischen Dimension des Themas „Rasse“ im Blog:

„Die Benutzung des Begriffs „Rassendiskriminierung“ impliziert logisch den Begriff „Rasse“, was immer darunter ontologisch verstanden wird.

Wissenschaftliche Erkenntnis fängt da an, wo Prämissen klar formuliert werden und zu entsprechenden verifizier- und falsifizierbaren Hypothesen führen. Den Rahmen bilden rational formulierte Theorien.

Im Fall der Soziologie sind wichtige Voraussetzungen für vernünftige Gespräche, wenn sie wissenschaftliches Niveau erreichen sollen, die Identifikation der emotional-ideologischen Komfortzone, aus der heraus argumentiert wird. Früher war das ein Thema der Wissenssoziologie.

Die heutige universitäre Soziologie scheint aus einer liberalistisch-sozialistischen Komfortzone heraus zu operieren, die sie selbst nicht mehr als emotional-ideologischen Rahmen wahrnimmt und thematisieren kann.

Ein wesentlicher Grund hierfür ist der wissenschaftstheoretische und methodologische Abgrund, in den die Soziologie „abgestürzt ist“ (Gerhard Wagner).

Nur von einer wissenschaftstheoretischen und methodologischen Ebene aus wird dieses dramatische Dilemma sichtbar.

Ansonsten hat die narrative, unwissenschaftliche Beliebigkeit, emotional ideologisch verkauft als Pluralismus, keine Grenzen und der Klamauk mit gegenseitigem kollegialem Schulterklopfen offenbart den interaktionistischen Fehlschluss des interpretativen UND des systemtheoretischen Ansatzes, wenn es um die ERKLÄRUNG der Entstehung UND der Wirkung von sozialen STRUKTUREN geht.

Beim Thema Rassismus wird das besonders deutlich!

Welche soziologische Anthropologie wird hier z.B. auf welcher wissenschaftstheoretischen Basis verwendet?

Der Mensch ist soziologisch gesehen („Soziologie des Unbewussten“) ein „symbolisches Tier“, dessen VERHALTEN in der Masse/Mehrheit (konstitutives Thema der Soziologie) durch die Relation zwischen seinem biologisch-instinktiven Rahmen (Tier) und dem von ihm produzierten kulturell-symbolischen Überbau geprägt wird, der sich verselbständigt und das Verhalten der Masse/Mehrheit wiederum durch die Manipulation des Unbewussten innerhalb des biologischen Rahmens determiniert.

Auch der menschliche Geist, der für letzteres verantwortlich ist, ist Teil der Natur, so dass es eine vernünftige Annahme ist, eine Soziologie, die das Attribut „wissenschaftlich“ verdient, mit der Erforschung sozialer NATURgesetze in Verbindung zu bringen.

„Das falsche Ideal einer suprawissenschaftlichen Erkenntnis“ (Piaget) gilt auch für die Soziologie, falls sie Realität erkennen und erklären will.

Den Anfang müsste dann bezogen auf die „Soziologie der Rassen“ Antworten auf die Frage machen:

Was ist eine Rasse?

Wikipedia meint dazu:
„Eine aktuelle Definition von Rasse (in genetischem Zusammenhang) ist: „Eine phänotypische und/oder geographische abgegrenzte subspezifische Gruppe, zusammengesetzt aus Individuen, die eine geographisch oder ökologisch definierte Region bewohnen, und die charakteristische Phänotyp- oder Gen-Sequenzen besitzen, die sie von ähnlichen Gruppen unterscheiden. Die Anzahl der Rassengruppen, die man innerhalb einer Art unterscheiden möchte, ist gewöhnlich willkürlich gewählt, sollte aber dem Untersuchungszweck angemessen sein.“. Diese Definition geht wesentlich auf den Genetiker Theodosius Dobzhansky zurück.“

Wichtiger in soziologischer Hinsicht!

Welche unterschiedlichen Kulturen sind vor diesem Hintergrund entstanden?
Worin besteht der Unterschied, den es offensichtlich gibt, zwischen eine arabischen, einer jüdischen, ein europäisch-weißen, einer chinesischen, einer japanischen, einer indischen, einer südamerikanischen Kultur, einer Kultur der Sinti/Roma usw.?

Welche Wirkungen haben Rassen-Unterschiede und ihre symbolisch-kulturellen Ausprägungen in Relation zur biologisch-instinktive Dimension zwischen den verschiedenen Rasen und Kulturen auf das unbewusst gesteuerte Verhalten der Masse/Mehrheit in einer Gesellschaft?

Ein kurzer Artikel zu einem Aspekt hierzu aus meinem Blog „Die Soziologie des Unbewussten“:

„Rassenstereotype
Ein Schlag ins Gesicht für überzeugte "Rationalisten" mit ihrer Vorstellung von bewusst sich steuernden und entscheidenden Individuen sind wissenschaftlich verifizierte Studien zu Rassenstereotypen.
Sie zeigen, wie soziale Stereotype und Bewertungen unbewusst und automatisch aktiviert werden:
„ Die Gesichtszüge bestimmen über Leben und Tod: Daten aus 44 Mordprozessen wurden analysiert. Fotografien der Beschuldigten wurden Studenten vorgelegt, die einschätzen sollten, ob die Gesichtszüge mehr oder weniger dem Stereotyp des schwarzen Amerikaners entsprechen.. Es zeigte sich ein signifikanter (p<0,05) Zusammenhang zwischen typisch „schwarz-afrikanischen“ Gesichtszügen (wie sie von Studenten anhand von Fotografien der Beschuldigten eingeschätzt wurden) einerseits und der relativen Häufigkeit von Todesurteilen andererseits. Der Effekt zeigte sich nur bei den Fällen, wo ein Farbiger Täter und ein Weißer Opfer war; waren Opfer und Täter farbig, gab es keinen Effekt der Gesichtszüge auf das Urteil.“ (Spitzer 2007: 33)“

Welche Folgen auf das Verhalten der Menschen haben/hatten emotional-ideologische Extreme wie die Apartheitspolitik in Südafrika oder die Ideologie des Ku-Klux-Klan in Nordamerika?

Oder andererseits, welche FOLGEN hat der liberalistisch-sozialistische Versuch, diese biologisch-kulturellen Differenzen zu ignorieren bzw. zu nivellieren?

Im ersten Fall führt die Ideologie zu der oft dokumentierten Gewalt und im zweiten Fall zu der absurden Tatsache, dass im Extremfall ein weißer Vermieter in Deutschland, wenn er die seit 6 Monaten ausstehende Miete entsprechend der europäischen Kultur von seinem schwarzen Mieter kassieren will, mittlerweile zu hören bekommt: „Du Rassist!“

BEIDE Versuche, die Differenz der Kulturen mit ihrer Rassen-Basis emotional-ideologisch und unwissenschaftlich weg zu „diskutieren“, führen tendenziell zu Gewalt und/oder rechtsradikalen Zuspitzungen, wie z.B. die AKTUELLEN Entwicklungen in Frankreich, insbesondere in Paris, aber mittlerweile offensichtlich in ganz Europa, jenseits emotional-ideologischer Schaumschlägerei und konstruktivistischem „Wir wünschen uns was!“, deutlich zeigen.“

Erst wenn diese sozialen Prozesse wissenschaftlich jenseits der emotional-ideologischen Komfortzonen durch soziale NATURgesetze SOZIOLOGISCH erklärt werden, ist es realistsich, durch die ANWENDUNGEN dieser Gesetze gewalttätige Rassen- und Kulturkonflikte zu minimieren.

Das Unvorstellbare wird auf der Basis der sozialen Physik möglich.

Tonnen schwere Kolosse fliegen durch die Luft, weil die wissenschaftlich erforschten Gesetze der Schwerkraft und anderer NATURgesetze angewandt wurden.

Montag, 28. September 2015

Soziologie heute (10/15): "Soziologie - ein fliegender Holländer?"

Soziologie - ein fliegender Holländer?

Die „Soziologie des Unbewussten“ und der
„methodologische Strukturalismus“

von Gerhard A. Schwartz

Das Schiff „Soziologie“, das mit Comte und Durkheim seetüchtig gestartet ist, um neue wissenschaftliche Kontinente zu entdecken und soziale Realität zu erforschen, ist zum „fliegenden Holländer“ geworden, der ohne reale Identität, konstruktivistisch degeneriert, orientierungslos auf den Weltmeeren der sozialen Katastrophen des 21. Jahrhundert herum irrt.

Dieser Artikel von mir erscheint in der aktuellen Oktober-Ausgabe von „Soziologie heute“:



Fachmagazin für Soziologie
soziologieheute.wordpress.com

Sonntag, 13. September 2015

"Rational choice" und Struktur (Esser)



Aus meiner "Soziologie des Unbewussten":

"5.11.Esser



Jede auf gesellschaftliche Entwicklungen und Zusammenhänge angewandte, strikt ausgeübte Makro-Soziologie beruht überdies auf einer- inzwischen: nachweislich-unzutreffende Hypothese, nämlich daß es makro-soziologische Gesetze „sui generis“ gäbe. Nach rund 100 Jahren Makro-Soziologie ist nicht ein solches Gesetz gefunden worden. Und wenn es eines gäbe: zu „verstehen“ wäre dann immer noch nicht, warum dieser kollektive Zusammenhang besteht. Aber genau das sollte die Soziologie ja doch eigentlich herausfinden.“ (Esser 1999: 597)
Esser gesteht zu:
Die Soziologie ist in (fast) jeder Variante eigentlich nur an den Strukturen der Gesellschaft interessiert.“ (Esser 1999: 419)
Die Grundidee der strukturellen Soziologie, die er nachweisbar für gescheitert erklärt
ist bestechend einfach: Über die Strukturen der Gesellschaft verteilen sich die ‚Chancen‘ für das Verhalten und für die sozialen Beziehungen der Menschen systematisch. … Akteure werden so scheint es dabei-ganz ähnlich wie bei Durkheims Ansatz- eigentlich nicht benötigt.“ (Esser 1999: 419/420)
Die Ursache hierfür sei der „kollektivistische Fehlschluß“:
Diesem Fehlschluß unterliegen alle theoretischen Konzepte, die von der Gesellschaft als Wesen sui generis und von der Eigendynamik der Strukturen der Gesellschaft, von historischen Gesamtplänen, von objektiven Entwicklungsgesetzen ausgehen – wie Marx, Durkheim oder auch Parsons. Es wird davon ausgegangen, daß die Akteure und deren Handeln für die Erklärung im Grunde überflüssig sind.“ (Esser 1999: 593)
Um diesen Fehlschluß und den entgegengesetzten „psychologistischen Fehlschluß“ zu vermeiden, sieht Esser in der verstehend-erklärenden Soziologie Max Webers die wissenschaftlich einzig mögliche Modellierung:
Situation - Akteur-soziales Handeln-externe Effekte
Dass er selber einem rationalistischen Fehlschluss unterliegt, wird deutlich, wenn er am Ende seines Buches über die allgemeinen Grundlagen der Soziologie neben Elias noch Giddens „Theorie der Strukturierung“ als relevant akzeptiert, weil sie „implizit an den lange verschütteten Grundgedanken der schottischen Moralphilosophen und an bestimmten Orientierungshypothesen von Karl Marx anknüpfen. Er stellt fest:
Nach welchen genaueren Regeln selektieren eigentlich die Akteure ihre intentionalen Handlungen? …..Wie sollen die Aggregationsprobleme zur Erklärung der emergenten Folgen gelöst werden? (Esser 1999: 616)
Aus dem intentionalen Handeln der Akteure und ihrem Selbstverständnis kann keine kausale Erklärung der Strukturen gelingen, weil sie dem typischen sozialen Verhalten, das erklärt werden soll, zeitlich vorausgehen. Logisch unmöglich.
Strukturen können in Anlehnung an Durkheim typisches, wahrscheinliches Verhalten erklären. Dazu ist allerdings ein Modell notwendig, das die a-rationalen biologischen und psychologischen Potentiale der Menschen in ihrer Divergenz mit Aktualisierungen durch die emotional relevanten Elemente von Strukturen verbindet. Dies ist wiederum nur über ein Verständnis und eine Konzeption des Unbewussten möglich, das archetypische, mythische und symbolische kollektive Muster mit den seelisch –unbewussten individuellen Prozessen verbindet.
Neueste neurowissenschaftliche Forschungen bestätigen, dass das Selbstverständnis der Menschen als primär rational bzw. zweckrational operierende Wesen eine Illusion ist.
Selbst in der Ökonomie, der das zweckrationale Menschenbild entlehnt ist, werden andere Ansätze verfolgt, z.B. in der Finanzökonomie das Thema „Behavioral Finance“.
Damit hat natürlich jede interpretative, „sinnorientierte“ Soziologie ein Problem, die jeder kausal operierenden Makro- und Struktursoziologie „notorische Unvollständigkeit“ und „Sinn“-losigkeit attestieren zu können glaubt.
Die Ablehnung hat dann schon deutlich ideologische und dogmatische Züge, wenn Esser schreibt:
Der am Beginn dieses Kapitels deutlich betonte interpretative Gesichtspunkt geht davon aus, daß derart „sinn“-lose Erklärungen in der Soziologie grundsätzlich vermieden werden sollten. Er legt die Mikro-vertiefung auch dann nahe, WENN ES KEINERLEI SONSTIGE PROBLEME MIT DEN „GESETZEN“ DER GESELLSCHAFT GÄBE (Hervorh.G.A.Sch.).“ (Esser 1999: 102)
Andererseits räumt er bei seinem Beispiel der Erklärung von Webers „Geist des Kapitalismus“ mit Hilfe seiner „Tiefenerklärung“ und dem dabei notwendigen Aggregationsverfahrens ein:
Etwas unbefriedigend ist dagegen der dritte Schritt: Es wird nicht klar, wie die Logik der Aggregation aussehen soll. Denn der Geist des Kapitalismus dürfte ja wohl nicht allein daraus bestehen, daß es mit einem Male ganze Heerscharen von Unternehmern gibt, die alle das Produkt ihrer protestantischen Mutter sind.“ (Esser 1999: 100)
Dies ist nicht ausnahmsweise ein Problem einer individualistischen Erklärung von Strukturen, sondern ein grundlegendes Defizit, das den eigenen Ansprüchen nur mit Hilfe von Kompositionsregeln gerecht werden könnte.
Doch da gilt, wie Bühl wunderbar darlegt:
D.h.: wenn es gelungen ist, Kollektivphänomene (wie z.B. die nationale Identität) in Individualtermen auszudrücken (z.B. als Meinungen, Attitüden, Handlungen von Individuen bezüglich ihrer eigenen oder fremden Nationalität), dann muss immer noch erklärt werden, nach welchen Gesetzen diese individuellen Akte disaggregiert worden sind und wieder auf der Makroebene zu aggregieren sind. Wenn stattdessen nur die Worthülse „Aggregation“ gebraucht wird und kein Kompositionsgesetz angegeben werden kann, dann liegt auch im Sinne des gemäßigten methodologischen Individualismus keine gültige Erklärung vor.“ (Bühl 2000: 46/47)
Genau darum geht es soziologisch. Die Struktur „Geist des Kapitalismus“ ist NICHT durch das aggregierte, typische Verhalten der beteiligten Unternehmer zu erklären, sondern aus dem abweichenden Verhalten desjenigen oder derjenigen, die die protestantische Ethik in die Welt gebracht haben.
An der letztgenannten Stelle ist der "gemeinte Sinn" sinnvoll, aber keinesfalls in der Analyse des TYPISCHEN Verhaltens auf der Basis der Struktur, die sich daraufhin entwickelt hat und bestand, BEVOR sich die individuellen Unternehmer rational und/oder unbewusst entschieden haben, Unternehmer zu werden.
Kausalität setzt auch die zeitliche Dimension des „Vorher/Nachher“ voraus, wenn sie wissenschaftlich akzeptabel sein soll."