Soziologie-ein fliegender Holländer? https://soziologiedesunbewussten.blogspot.be/2015/12/blog-post

Soziologie- ein fliegender Holländer?

Mein Artikel aus "soziologie heute", Oktober 2015, s. Blog-Artikel vom 2.12.2015

Montag, 20. April 2015

Selbstorganisation und spontane Ordnung


Emotional-ideologische Verzerrungen der Liberalisten und der Systemtheoretiker!

Die Begriffe der "spontanen Ordnung" v. Hayeks und die "sich selbst organisierenden Systeme" der Systemtheorie Luhmanns sind zu ideologisch einflussreichen Halbwahrheiten degeniert.

Diese beiden Ansätze werden oft ideologisch-normativ und populär von Liberalisten und Systemtheoretikern als Zugang zur sozialen Realität proklamiert.

Nichts ist weiter entfernt von der objektiven Wahrheit statistisch NORMALER, steuerbarer sozialer Prozesse!

Spontane Ordnungen und selbst organisierende Prozesse sind fundamentale biologisch determinierte Evolutionsprozesse wie die Entwicklung der Sprache oder die Entwicklung von Tausch-Märkten, die den Ausgangspunkt beschreiben für darauf aufbauende soziale Prozesse, die durch Macht/Gewalt (physisch und psychisch) gesteuert werden.

Die sozial-philosophische und/oder funktionalistische BESCHREIBUNG dieser Prozesse ist vollkommen in Ordnung.

Es bleiben aber nur ideologisch-einseitige Halbwahrheiten, wenn man nicht begreift, dass sie gleichzeitig Urgrund und Keimzelle für die zu Recht politisch beklagten Tendenzen zu Machtkonzentration, Zentralismus und Bürokratie-Wucher sind, langfristig und historisch betrachtet.

Zu dieser Erkenntnis sind beide Ansätze nicht fähig, weil ihnen die entsprechenden theoretischen Kategorien fehlen, vor allen Dingen ein realistischer Begriff von „psychisch-struktureller Macht“, wie ich sie in meiner „Soziologie des Unbewussten“ andeute.

Die unkontrollierte Weiterentwicklung spontaner Selbstorganisation führt ZWANGSLÄUFIG, nur scheinbar paradox, zu den weltweit sichtbaren Tendenzen (Internationalismus/Dominanz-Ansprüche einer Ideologie/Staatsfetischismus, bürokratischem Wahnsinn etc.).

Diese menschenverachtenden Auswüchse mit dem naiven, normativen Appell an spontane Selbstbestimmung und Selbstorganisation bekämpfen zu wollen, ist unlogischer, absurder Unsinn.

Es ist etwa so, als erwarte man rational, natürlich durch Argumente und Überzeugung liberalistisch-sozialistisch herbei geführt, in den USA die spontane Rückentwicklung zur Dominanz von Indianer-Stämmen. Emotional-ideologisch verständlich, logisch-rational offensichtlich lächerlich!

Aber bei der liberalistisch ersehnten Realisierung der Dezentralisierung geht das selbstverständlich!!
Normale soziale Prozesse gehen einfach in die andere Richtung, weil „WIR“ es so wollen und weil es vernünftig wäre. Ist doch klar, oder!?

Ein Beispiel auf der interaktionistischen STRUKTUR-Ebene.

Wie jeder weiß, führen gruppendynamische Prozesse, sich selbst überlassen, zu den bekannten Strukturen (Führer, Außenseiter, Einengung des Denkens, Verzerrung der Wahrnehmung, s. „Asch-Experiment“, usw.). Vereine haben dann ihre Satzungen usw. usw..

(Ähnliches gilt natürlich gesamtgesellschaftlich für die Entwicklung zu Feudal-Systemen, National-Staaten, Papsttum usw..)

Die heute oft erwähnte „Difference“ als Gruppenstruktur, z.B. von Page, ist ein AUTORITÄRER, NORMATIVER Eingriff in diese gruppendynamischen Prozesse, um Gruppenprozesse z.B. kreativer zu gestalten.

Ein Beispiel dafür, dass soziologische Gesetzmäßigkeiten wissenschaftlich begriffen werden können und ihre ANWENDUNG zu GESTALTETEN, befriedigenderen sozialen Prozessen bei entsprechender Zielsetzung führt.

Die Anwendung physikalischer Gesetze führte z.B. auch zu dem bis dahin unvorstellbaren Resultat, dass Tonnen schwere Gewichte durch die Luft fliegen.

Genau das ist auch gesellschaftlich möglich, wenn man endlich ernsthaft wissenschaftliche Soziologie statt ideologisch determiniertes Soziotainment betreiben würde.

Aber dafür muss erst einmal die wissenschaftstheoretisch-methodologische Blockade des „methodologischen Individualismus“, der die Existenz SOZIALER Gesetze bestreitet, beseitigt bzw. relativiert werden und die metatheoretische, funktionalistische Systemtheorie Luhmanns in eine kausal-wissenschaftliche, empirisch überprüfbare SOZIOLOGISCHE THEORIE auf der Basis von statistischen Syllogismen und dem von mir angedeuteten „methodologischen Strukturalismus“ überführt werden.