Soziologie-ein fliegender Holländer? https://soziologiedesunbewussten.blogspot.be/2015/12/blog-post

Soziologie- ein fliegender Holländer?

Mein Artikel aus "soziologie heute", Oktober 2015, s. Blog-Artikel vom 2.12.2015

Mittwoch, 28. Januar 2015

Umberto Eco und die WIRKLICHkeit

oder

Wie die Weltbilder der WIRKLICHkeit näher kommen!


Der NEUE ontologische Realismus und der konstruktivistische Zeit-un-geist!

Die Grenzen des absurden, relativistischen Konstruktivismus und die Differenz zu einem relativierenden REALISMUS hat Umberto Eco wunderbar am Beispiel der Weltbilder erklärt:

„Im Folgenden seien zwei Beispiele genannt: Jenes der Widerlegung des ptolemäischen Weltbildes und jenes der Existenz der 'Terra australis incognita' als einer riesigen und äußerst fruchtbaren Kuppel, die die südliche Hemisphäre des Planeten eingenommen habe. Als diese heute zurückgewiesenen Hypothesen verbindlich Geltung beanspruchten, war es durchaus möglich, mit ihrer Hilfe die damals bekannte Welt auf sinnvolle Weise zu erklären. So war das ptolemäische Weltbild über Jahrhunderte dazu imstande, unzählige Phänomene zu begründen. ….. Dann aber stellte man fest, dass das kopernikanische Weltbild (mit all den Verbesserungen bis hin zu Kepler) die Himmelsbewegungen besser erklärte und dass eine kuppelförmige 'Terra australis' nicht existierte. Man kann sich nun ausmalen, dass eines Tages ein Weltbild in Kraft tritt-auch wenn das heliozentrische Weltbild bis zum heutigen Tage auf mehr Fragen antwortet und es mehr Vorhersagen erlaubt, als es das geozentrische jemals gestattete-, das noch mehr erklären und das auch das heliozentrische Weltbild in eine Krise zustürzen vermag. Doch für den Moment bleibt einem nichts anderes übrig, als auf das keplersche System zu wetten, also so zu tun, 'als ob' es wahrwäre. Dem geozentrischen Weltbild muss hingegen eine Absage erteilt werden.“

(Umberto Eco, Gesten der Zurückweisung.Über den Neuen Realismus. In Markus Gabriel (Hg.) , Der Neue Realismus, Suhrkamp, Berlin 2014, S.47/48)

Besser kann man die realistische Position eines relativierungsfähigen REALISMUS jenseits relativistischer A-Rationalität und Beliebigkeit nicht beschreiben.

Angedeutet wird auch die Notwendigkeit, ontologisch UND logisch in HIERARCHIEN zu denken, um sich der Realität vernünftig und rational anzunähern.

In einer Gesellschaft,die Differenzen und Hierarchien emotional-ideologisch weg“denkt“ und kaschiert, wird aus dieser objektiven Notwendigkeit eine sehr unwahrscheinliche Möglichkeit.

Mittwoch, 21. Januar 2015

SUBJEKTIVE WAHRNEHMUNG und OBJEKTIVE WIRKLICHKEIT

oder

Was ist in Paris WIRKLICH passiert?

Mein Antwort zu der Frage einer FB-Freundin: "Wie kann man oder ich bezogen auf das Attentat in Paris erkennen, was wirklich passiert ist und vor welchem Hintergrund?"


Meine Antwort:

"Hallo Sonja, meine ausführliche Antwort, spät, aber dafür aus Marokko, einem islamischen Land.

Wir sprechen hier allerdings über ein sehr anspruchsvolles Thema, das die Philosophie von ihren Anfängen bis heute an zentraler Stelle beschäftigt.

Einfacher kann ich Dir meine Position nicht demonstrieren.

Die Erwartung einer mühelosen Annäherung an eine vernünftige, sinnvolle Antwort auf diese fundamentale Frage, wäre eine absurde Illusion des Zeit-un-geistes.

Es ist natürlich nicht so leicht, wie es sich naive Realisten vorstellen, die glaubten, dass sich die äußere Welt einfach auf unseren Sinnesorganen abbildet.

Da setzt die Kritik von Kant und seinen naiven Nachfolgern, die die konstruktive Seite der Wahrnehmung zu Recht betonen, an. Allerdings mündet diese Entwicklung mittlerweile in einen absurden relativistischen Subjektivismus, wie gesagt.

Nun zu dem mühevollen Weg zu einer ANNÄHERUNG an die objektive WIRKlichkeit in Paris!

MAN (Masse/Mehrheit) nimmt unbewusst die ideologische Version als Abbild der WIRKlichkeit, die ihrer emotional-ideologischen Komfortzone entspricht (z.B. Manipulation der Verschwörer ODER bestialische Demonstration des blutrünstigen Islam).

Die Opfer des relativistisch-konstruktivistischen Zeit-un-geistes leugnen wie gesagt explizit oder implizit jede objektive Tatsache oder in der milderen Form die Erkennbarkeit von objektiven Tatsachen, was bezogen auf die rationale Verständigung über Tatsachen auf Dasselbe hinausläuft.

Um sich dem OBJEKTIVEN Sachverhalt zu nähern, kann man zunächst einmal Fakten akzeptieren, die keine der beiden extremen IDEOLOGIEN bestreitet. Zum Beispiel, dass es dieses Magazin gibt und dass es Karikaturen von Mohammed in einer für viele Moslems demütigenden Form veröffentlicht hat. Wahrscheinlich kann man Ausgaben sogar physisch besorgen. Und niemand bestreitet zum Beispiel, dass 12 Menschen, vor allen Dingen Redakteure getötet wurden, usw. usw..

Obwohl diese Überlegungen selbstverständlich keinen EINDEUTIGEN Beweis darstellen, legen sie plausibel für einen vernünftig denkenden Menschen nahe, dass es wahrscheinlich so war. Diese Wahrscheinlichkeit und Plausibilität zu bestreiten, ist unsinnig und widerspricht JEDEM vernünftigem Denken.


Wenn es dann um die Hintergründe und Motivationen geht und die Annäherung an die objektive WIRKlichkeit in dieser Hinsicht, wird es noch etwas anstrengender.

Der erfolgversprechendste Weg geht über die Extreme, die sich als Gegensätze gegenüberstehen.

Nennen wir sie die „Manipulationstheorie/Verschwörung usw.“ und die „Theorie der islamistisch/islamischen Welteroberung“.

Jenseits der ideologischen Einseitigkeiten ist es wahrscheinlich, dass beide Extreme ideologische Halbwahrheiten darstellen.

Wie könnte eine Verbindung dieser Halbwahrheiten aussehen?

Die kapitalistisch-imperialistischen Exporteure der liberalistischen IDEOLOGIE könnten in ihrem GrößenWAHN immer wieder versuchen, in ihrem Expansionsraum Menschen und Gruppen zu fördern und zu kaufen, von denen sie sich am ANFANG zu Recht eine Entwicklung im Sinne ihrer Interessen erhoffen.

Dann emanzipieren sich diese Gruppen und Personen und werden zu Feinden der USA und so weiter und kämpfen aktiv wie in früheren Zeiten für einen Gottesstaat oder den Islam als alternative Grundlage für eine Menschen gerechte Gesellschaft.

Für diese Wahrscheinlichkeit und Plausibilität spricht die Antwort auf die dann immer wieder spannende und klärende kriminologische Frage:
Wer profitiert von dem Attentat in Paris und seiner WIRKUNG?

Die Amerikaner und die wahrscheinlichen Kontrolleure (Kapital/Medien) dieser expansiven Ideologie haben ein neues Feindbild, mit dem sie Kapital und Massenloyalität für offene Aggressionen wunderbar mobilisieren können (früher Staats-Kommunismus).

Die Islamisten profitieren aber nicht minder. Sie haben wieder einmal bewiesen, wie leicht Gewalt Angst erzeugt und welche ungeheuren Möglichkeiten von fanatisierten, gläubigen Moslems, die ihr Leben für Allah und Mohammed opfern, ausgehen.

Dass es dabei um einen FUNDAMENTALEN, ECHTEN Konflikt zwischen zwei verschiedenen Wertsystemen, geht, ist wahrscheinlich. Einmal dem liberalistisch-formalistischen, das den Einzelmenschen die Möglichkeiten geben soll, sich ihr Leben rational und selbstverantwortlich zu gestalten und dem islamischen, das davon ausgeht, dass Menschen dazu ein sinnvolles Fundament zur Orientierung brauchen, das Werbung/Propaganda, der Wachstumszwang und der materialistische KonsumWAHN der Bastardökonomie nicht in einer Menschen gerechten Form optimal bieten.

Nun zur subjektiven WAHRnehmung der objektiven WIRKlichkeit.

Die objektive WIRKlichkeit, von deren Erkennbarkeit (in der Annäherung) der ontologische REALISMUS ausgeht, kann ihren Teil umso besser beisteuern, wenn die subjektive Wahrnehmung psychologisch so wenig wie möglich verzerrt ist.

Dabei geht es vor allen Dingen um die emotional-ideologischen Filter, die JEDER Mensch hat.

Es macht nun einen gewaltigen, manchmal einen gewalttätigen Unterschied, ob jemand diese Filter WAHRnimmt und bei seiner Wahrnehmung bewusst und rational berücksichtigt oder eben NICHT.

Diese Distanzierung, dieser Blick von außen auf sich selbst (eine wesentliche emergente Fähigkeit des symbolischen Tiers „Mensch“) und die scheinbar paradoxe WAHRnehmung der eigenen biographisch-strukturellen Persönlichkeit, ist eine wesentliche Voraussetzung, wenn es um die SYSTEMATISCHE Annäherung an die OBJEKTIVE WIRKlichkeit geht.

ZUFÄLLIG sind natürlich auch ohne diese phänomenologische Reduktion Annäherungen an die OBJEKTIVE WIRKlichkeit in Ausnahmefällen möglich.

Praktisch kann diese Annäherung an die OBJEKTIVE eigene PersönlichkeitsSTRUKTUR durch die permanente, lebenslange Übung in SELBSTwahrnehmung, in welcher Form auch immer, erreicht und verbessert werden.

Philosophisch behandelt dieses Thema z.B. Husserl an zentraler Stelle unter dem Begriff „phänomenologische Reduktion“!

Mittwoch, 14. Januar 2015

Emotional-ideologische Komfortzonen

oder

Wann ist ein vernünftiges Gespräch unwahrscheinlich oder fast unmöglich?

Mein FB-Freund WOlf Schultzi machte folgenden Kommentar:

"Leider verstehen unterschiedliche Menschen, insbesondere unterschiedlichster Weltanschauung einander nicht. Da gibt es eine Blockade, die ich als Nicht.Fachmann nicht erklären kann.
Noch nie konnte ich in einer Diskussion mit einem Marxisten, Stalinisten, Leninisten darüber diskutieren dass diese politischen Religionen ebenso total sind wie die Faschisten.
Oder
Auch mit einem Atheisten ist nicht über Gott zu diskutieren, weil dies Gott immer fälschlicher Weise mit dem Gott des AT gleichsetzen."


Mein Kommentar:

"SOZIOlogisch ist diese Blockade leicht zu ERKLÄREN (inklusive der Prognose des WAHRSCHEINLICHEN Verhaltens), zumindest auf der Basis einer MÖGLICHEN WISSENSCHAFTLICHEN Soziologie, die es NICHT gibt.

Prämisse: Menschen (MASSE/Mehrheit) denken nicht selbständig, sondern ihr Denken wird emotional STRUKTURIERT und gesteuert.

Meine "Soziologie des Unbewussten" formuliert auf der Basis des "methodologischen Strukturalismus" und des Konzeptes der "emotional-ideologischen Komfortzone" folgende empirisch überprüfbare Hypothese:

"Rationale, vernünftige Gespräche über die Grenzen der jeweiligen emotional-ideologischen Komfortzonen hinweg sind UNWAHRSCHEINLICH, weil sich innerhalb der emotional-ideologischen Komfortzonen unbewusste WIRKlichkeiten/STRUKTUREN im ontologischen Sinn bilden, die das TYPISCHE Verhalten/Denken der MASSE/Mehrheit UNBEWUSST steuern.
In AUSNAHMEfällen sind vernünftige Gespräche MÖGLICH, wenn sich die Beteiligten über ihre emotional-ideologischen Prämissen (z.B. Menschen-und Gesellschaftsbild) austauschen können. "

Für die herrschende universitäre Soziologie ist es aus demselben Grund zur Zeit UNMÖGLICH, aus IHRER emotional-ideologischen Komfortzone heraus, KAUSAL-WISSENSCHAFT zu betreiben.

Sie zieht das unterhaltsamere SOZIOtainment, die "aufgeblasene Rhetorik" (Markus Gabriel) der funktionalistisch-intersubjektivstischen Systemtheorie oder die IDEOLOGIE des "methodologischen Individualismus" vor.

Samstag, 10. Januar 2015

Die TRAUMATISIERTE Soziologie


oder 

DER HILFLOSE PROFESSOR (3)

Der hilflose Professor (2) ist bei mir in FB nachzulesen.

Hier noch ein „INTELLEKTUELL unergiebiger“ Text eines MENSA-Mitglieds, den Herr Prof. Etzemüller gnädigerweise NOCH freigeschaltet und NICHT kommentiert hat.

„Intellektuell“ war nie mit „intelligent“ identisch, aber seit der Bologna-Reform ist „intellektuell“ oft Lichtjahre von „intelligent“ entfernt. Die Intellektuellen sind zu einem emotional-ideologischen Zirkel degeneriert, in dem sich die “aufgeblasene Rhetorik“ (Markus Gabriel) wie ein Virus ausbreitet und das demokratisch aufgepeppte Mittelmaß und „der kleinste gemeinsame Nenner“ die Messlatte für die konstruktivistische „Wahrheit“ darstellen.

60% Studenten pro Jahrgang sind nun mal auch 30 mal mehr Intelligenz als 2% Hochbegabte, die zum Teil nicht an einer HOCHschule studieren, weil sie die Abwertung der Durchschnittsgehirne nicht ertragen und sich verletzt zurückziehen oder schlicht ihre Hochbegabung als Problem nicht erkennen.

Dass 60 = 30 x 2 ist, kann doch jeder nachrechnen, notfalls mit dem Taschenrechner, sagen die Intellektuellen!

Da liegt der Herr Professor doch voll im Trend der Zeit und die Professoren müssen, soziologisch gesehen, ja auch den 60% angepasst werden, was autopoietisch passiert.

Und überhaupt: Was ist schon „IQ“? Weiß doch heute JEDER, dass das ein willkürliches Konstrukt ohne jeglichen WIRKlichen, objektiven Hintergrund ist, einfach eine andere Wahrnehmung, ein beliebig auswechselbares Konstrukt!

Nur fleißig trainieren, „Einstein“ steckt in jedem von uns, Epiphänomen nennen das die Intellektuellen heute.

Es lebe das SOZIOtainment an den HOCHschulen! Erkenntnissuche war gestern.

Zum Text:

Herr Prof. Etzemüller schrieb u.a.:

„Es waren die Speers, Schachts oder die Generäle, die den Krieg verlängerten, weil sie ihr Handwerk verstanden und ohne Widerstand zu leisten ausübten, nicht die Ideologen aus dem Lager Rosenberg. Hätten die mal das Sagen gehabt. Dann wäre dass Reich nämlich schon 1935 wirtschaftlich restlos ruiniert gewesen, hätte nie den Krieg führen können etc. (vgl. z.B. Adam Tooze, Ökonomie der Zerstörung). Leider gab es immer noch zu viele rationale Experten im “3. Reich”.“

Kommentar Gerhard Schwartz:


„„Nett“ hätte ich FAST zu der emotional-ideologischen Harmonie gesagt, wenn ich IHRE disziplinarische Zurechtweisung vergessen hätte, Herr Professor!

Aber zum Thema!

Soziologisch im Sinne einer MÖGLICHEN wissenschaftlichen STRUKTUR-Soziologie ist die Erklärung der Entwicklung der Soziologie im Nationalsozialismus und im Dritten Reich relativ einfach (Reduktion von Komplexität).

Die Ideologie des NationalSOZIALISMUS und die praktischen, politischen Anfänge im Dritten Reich prägten das TYPISCHE Verhalten der Masse/Mehrheit der Soziologen und das der abweichenden Minderheit, die zum Teil Deutschland verließ.

So etwa würde die von mir angedeutete „Soziologie des Unbewussten“ und ein damit verbundener „methodologischer Strukturalismus“ anfangen.

Die Soziologen waren UNBEWUSST fasziniert von dem gesellschaftlichen Gemeinschafts-Quasi-Experiment, das der Nationalsozialismus 1933 versprach. Sie sahen endlich eine historische Gelegenheit, WISSENSCHAFTLICH vorwärts zu kommen und ähnlich zu arbeiten wie die Sozialpsychologen SPÄTER in ihren tatsächlichen Experimenten zu Gemeinschaft und Autorität (Asch/Milgram/Festinger usw.).

Es fand daraufhin das statt, was sozialpsychologisch sehr gut objektiv-wissenschaftlich erforscht ist.
Das Denken wurde emotional-ideologisch auf den kleinsten gemeinsamen Nenner reduziert und im Falle der dramatisch wirksamen Ideologie des Nationalsozialismus in den Anfängen 1933 gleichzeitig autoritär emotional-ideologisch fanatisiert.

Ein SOZIALES NaturGESETZ, das auch heute innerhalb der Konsens-Demokratie und auf der Basis der liberalistisch-individualistischen IDEOLOGIE wirksam ist, allerdings erheblich subtiler aufgrund der massenpsychologischen Manipulation der Medien und der Bilderflut, von der der Meister-Schüler Goebbels in seiner Anwendung von Le Bons Massenpsychologie, die man heute treffender MassenSOZIOLOGIE nennen müsste, sicher fasziniert wäre.

Das zu begreifen, ist natürlich emotional-ideologisch NACH 1945 und dem Holocaust UNMÖGLICH im Rahmen der „aufgeklärten“ liberalistisch-individualistischen IDEOLOGIE und des „methodologischen Individualismus“.

Andererseits war die Sympathie der marxistischen und sozialistischen Soziologen für die DDR in der 68-er Bewegung von der gleichen an der Gemeinschaft orientierten anti-liberalistischen und -kapitalistischen IDEOLOGIE geprägt, wurde aber ideologisch und soziologisch durch Luhmanns konservative Systemtheorie und die liberal-individualistische Ideologie überhaupt relativiert und kommt heute nach dem Zusammenbruch der DDR und des Marxismus (als ÖKONOMISCHE Ideologie) nur mehr als kommunitaristische Phantasie oder in rechten und/oder konservativen Gesellschaftsvorstellungen soziologisch, ideologisch und politisch vor.

Durch den Holocaust ist die junge Wissenschaft der Soziologie so traumatisiert und schockiert worden, dass sie in eine wissenschaftlich-theoretische Starre verfiel, die bis heute andauert.

Lediglich Luhmann hat mit seiner metatheoretischen Systemtheorie für Bewegung gesorgt, die allerdings soziologisch-WISSENSCHAFTLICH folgenlos geblieben ist, weil die kausal-wissenschaftlichen Implikationen seines funktionalistischen Ansatzes noch nicht formuliert und auf die Ebene einer soziologisch-wissenschaftlichen Theorie transferiert worden sind.
Sie dient lediglich als heuristischer Ideengeber für mehr oder weniger intelligente intellektualistische Gedankenspiele und systemische Experimente, die allerdings gesellschaftlich und soziologisch mit dem hohen Preis der fatalen Komplexitäts-IDEOLOGIE und der Verantwortungslosigkeit gegenüber STRUKTUREN und ihren Wirkungen bezahlt werden.


Wissenschaftstheoretisch und theoretisch war die Soziologie in der Weimarer Republik mit einer spannenden Dreiteilung konfrontiert, die immer noch auf einen überzeugenden nächsten Schritt in Richtung Integration und VERWISSENSCHAFTLICHUNG der damals pubertierenden Soziologie wartet.

Dirk Käsler beschreibt die drei Dimensionen, die am Ende der Weimarer Republik unverbunden miteinander konkurrierten, so:

1.) die naturwissenschaftliche Perspektive (Leopold v.Wiese -Beziehungslehre)
2.) die sozialwissenschaftliche Perspektive (Weber/Mannheim/“methodologischer
Individualismus“)
3.) die kulturwissenschaftliche Perspektive (Otmar Spann)

Die Kategorie des Unbewussten, die selbst für Systemtheoretiker wie Fuchs DIE Schwachstelle der Systemtheorie ist und für den „rational-choice-Ansatz“ und den „methodologischen Individualismus“ selbstredend den a-rationalen blinden Fleck darstellt, bietet eine hervorragende Möglichkeit der Integration.

Durch den a-rationalen Schock des Holocaust ist dieser Schritt innerhalb der traumatisierten n Soziologie emotional-ideologisch fast so unmöglich, wie wissenschaftlich notwendig.

Ihr zutreffender, emotional-ideologischer Hinweis (oder ist das eine Erkenntnis?) „Das zeigt, dass der tiefe Glaube an (wissenschaftliche) Objektivität politisch/moralisch geradezu verheerende
Effekte haben kann“ ist politisch bemerkenswert vor dem Hintergrund, dass Sie für rationale, objektivierbare Erkenntnisse bezahlt werden sollten.

Zweitens ist diese Gefahr mit dem menschlichen Denken/Fühlen und den Anwendungen seiner Produkte überhaupt im Wesentlichen (Entschuldigung, schon wieder vergessen, Herr Professor!) verbunden.

Fukushima, die Atombombe, der Salafismus, der Holocaust oder die Ausrottung der nordamerikanischen Indianer zeigen in dieser Hinsicht SOZIOLOGISCHE Parallelen.

Diese Probleme werden nicht durch mehr Irrationalismus, Relativismus und durch die aufgeblasene Rhetorik (Markus Gabriel) des Konstruktivismus gelöst, sondern in dem eine WISSENSCHAFTLICHE Soziologie die sozialen NaturGESETZE menschlicher Sozialität objektiv-wissenschaftlich auf der Basis einer überzeugenden Methodologie erforscht, um soziale Prozesse jenseits der offensichtlichen IRRATIONALEN Entwicklungen zu GESTALTEN.

Es geht also um MEHR Objektivität, um emotional-ideologische Pseudo-Objektivität zu vermeiden und den GLAUBEN an Objektivität durch die rationale Orientierung an Rationalität zu ersetzen.

Das emotional-ideologische, liberalistisch-individualistisch-interaktionistische „Wir-wünschen-uns-was“ mit entsprechender emotional-ideologischer Wohlfühl-Zone als Alternative führt mit Sicherheit in den praktisch-politischen Abgrund, der sich hinter der wissenschaftstheoretisch-theoretischen Sackgasse der Soziologie versteckt.“

Dienstag, 6. Januar 2015

Die SOZIOLOGIE des Bösen

Die sozialen und gesellschaftlichen STRUKTUREN MACHEN böse!

Das Gehorsamkeits-Experiment Milgrams von 1974 wurde genau so oft WISSENSCHAFTLICH bestätigt wie emotional-ideologisch vom liberalistisch-sozialistischen Zeit-un-geist und seinen STRUKTURELL VERblödeten Intellektuellen ignoriert.

Eine Ausnahme ist der Soziologe Zygmunt Baumann, der 2014 für sein Lebenswerk von der DGS (Deutschen Gesellschaft für Soziologie) geehrt wurde, aber nichtsdestotrotz soziologisch theoretisch unberücksichtigt blieb und nur im Rahmen des SOZIOtainments gewürdigt wurde, bis zum heutigen Tag. Eine absurde Situation!

Schon 1992 bestätigte er als Einziger die soziologische Relevanz der Milgram-Experimente, der Zimbardo-Experimente, Hannah Arendts „Banalität des Bösen“ und der Werke Le Bons in seinem Buch „Dialektik der Ordnung. Die Moderne und der Holocaust“.

„Die Ursachen unmenschlicher Taten sind sozialer und nicht individuell-dispositioneller Natur. In einem sozialen Kontext, der moralische Maßstäbe entkräftet, und Unmenschlichkeit legitimiert, wird es auch Menschen geben, die grausam sind.“ (S. 180)

Zu Zimbardos „Gefängnis-Experiment“ sagt Zygmunt Baumann:

„Um mögliche Verzerrungen auszuschließen, gab es im Zimbardo-Experiment keine allgemein anerkannte Autorität wie die durch den Versuchsleiter repräsentierte „Wissenschaft“ bei Milgram. Die Versuchspersonen hatten keine Möglichkeit, die Last persönlicher Verantwortung auf eine externe Autorität zu übertragen. Die Versuchspersonen entwickelten ihre Autorität selbst. Zimbardo schuf lediglich die Voraussetzungen (STRUKTUREN, GAS) für den Versuch, in dem er ein bestimmtes Interaktionsmuster vorgab.“ (S. 181)

In einer Rezension wird Zimbardos Ergebnis so zusammengefasst:
"Jeder Mensch ist potenziell ein Gewalttäter und in jedem von uns steckt ein Teufel; aber nicht die Veranlagung bringt den Menschen dazu, Böses zu tun, sondern die Situation, in der er sich befindet oder in die er versetzt wird, lautet Zimbardos provozierende These.“
Der Luzifer-Effekt: Die Macht der Umstände und die Psychologie des Bösen
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