Soziologie-ein fliegender Holländer? https://soziologiedesunbewussten.blogspot.be/2015/12/blog-post

Soziologie- ein fliegender Holländer?

Mein Artikel aus "soziologie heute", Oktober 2015, s. Blog-Artikel vom 2.12.2015

Freitag, 22. März 2019

Realismus oder Konstruktivismus!?

Was bedeutet „Realismus“ als philosophisch-metaphysische Ausgangsposition?

Jede menschliche Äußerung geht von einer implizit-unbewussten oder explizit-bewussten metaphysischen Annahme über das Verhältnis „objektive Welt/subjektive Erkenntnis“ aus.

Hier eine plausible Definition von Jean Bricmont:

„Es existiert eine Welt, die unabhängig vom menschlichen Bewusstsein ist. Diese Welt ist strukturiert und hatb ihre eigenen Eigenschaften. Jeder, der geboren ist, weiß, dass es so ist, weil er Eltern hat(te), und er weiß, dass der Prozess der Geburt die Existenz hoch entwickelter Organismen erfordert.

Ob eine Aussage wahr oder falsch ist, hängt davon ab, ob sie die Eigenschaften jener Welt widerspiegelt oder nicht. Das heißt insbesondere, dass die Wahrheit oder Falschheit einer Aussage unabhängig ist, die sie äußert und unabhängig von der Gruppe ist, der die Person „angehört“.

Wir können beispielsweise durch unsere Sinneserfahrungen zu wahren Aussagen über die Welt kommen. Das Alltagsleben ist voll von solchen Aussagen, die uns sagen, wie die Welt ist – zumindest  bis zu einem bestimmten Ausmaß.

Unsere Sinne können uns aber auch täuschen – denken wir an optisch Täuschungen. Deshalb können wir nie absolut sicher sein, dass unser Wissen wahr ist, und selbst die alltäglichsten Erfahrungen können auf Illusionen beruhen. Ich sehe mich am Computer schreiben, aber ich könnte es im Prinzip auch träumen.


Unser Wissen ist menschlich. Es ist das Ergebnis einer ganz spezifischen Wechselwirkung zwischen „uns“ und der Welt. Diese Wechselwirkung hängt von unserer Biologie, aber auch von unserer Geschichte und Kultur ab. Andere Arten haben andere Formen der Wechselwirkung, auch wenn die Welt die gleiche ist. Andere Kulturen oder Menschen in anderen historischen Zeitaltern haben ein unterschiedliches Wissen von der gleichen Welt. Dass unser Wissen menschlich ist, hat auch zur Folge, dass es Grenzen haben kann – so wie auch unsere Wahrnehmung und unsere physischen Fähigkeiten Grenzen haben. Wir sehen z.B. nur „sichtbares Licht“ und damit nur einen kleinen Ausschnitt aus dem Spektrum der elektromagnetischen Wellen, und niemand hat es bis jetzt geschafft, bei einem Rennen eine Strecke von einem Kilometer in weniger als einer Sekunde zurückzulegen.“  (Bricmont 2018: 98/99)
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