Soziologie-ein fliegender Holländer? https://soziologiedesunbewussten.blogspot.be/2015/12/blog-post

Soziologie- ein fliegender Holländer?

Mein Artikel aus "soziologie heute", Oktober 2015, s. Blog-Artikel vom 2.12.2015

Montag, 13. März 2017

Ideologie und Semiotik!


Was ist eine Ideologie?

Eine Ideologie ist der unvermeidbare Hintergrund auf allen strukturellen Ebenen des Sozialen, der die Selbstverständlichkeiten des MAN (s. z.B. Heidegger) produziert und sie den beteiligten Menschen als rationale, freiwillige Entscheidungen suggeriert.

Das Medium dieses Transfers ist das Unbewusste, individuell im Sinne Freuds und kollektiv im Sinne Jungs, heute in den Kognitionswissenschaften oft „das Implizite“ genannt.

Das Bewusstsein, emergent und abhängig, ist die Spitze des Eisbergs des individuellen Unbewussten, dem unsichtbaren Rest des Eisbergs unter der Wasseroberfläche, der im Meer des kollektiven Unbewussten schwimmt.

Autoren, von Hegel über Marx, Nietzsche, Althusser bis zu Lacan und Slavoj Zizek haben das Thema „Ideologie“ an prominenter Stelle implizit oder direkt behandelt.

Jede Idee wird irgendwann zu einer Ideologie, die nur noch einen unzureichenden Teil der historisch möglichen, immer fortschreitenden Annäherung an die objektive Wirklichkeit erfasst. Im Normalfall halten die Menschen so lange an ihr fest, bis es zu einem Zusammenbruch kommt, ähnlich wie bei den Paradigmen in der Wissenschaft.

Ideologien existieren auf allen Strukturebenen des Sozialen, von der Persönlichkeitsstruktur über die Familie, Organisationen bis zur Kultur.

Die aktuell dominierenden, überholten gesellschaftlichen Ideologien sind die liberalistische Freiheitsideologie und die sozialistische Gemeinschaftsideologie.

Umberto Eco formuliert diese Tatsache auf der Ebene der Symbole und Zeichen (Semiotik) folgendermaßen:
„... sie (die Kultur. G.Sch.) segmentiert auch jene umfassenderen Teile des Inhalts, die die IDEOLOGIEN sind. Ideologische Positionen entstehen durch die Opposition langer syntagmatischer Ketten, die nach bestimmten Achsen strukturiert sind. Die >ideologische< Natur der Ideologien rührt daher, daß man die partiellen semantischen Felder als definitiv betrachtet und nicht erkennt, daß sie auf weiträumigere Korrelationen innerhalb des umfassenden semantischen Systems bezogen werden können- so daß man sie nicht nur zusammenfügen, sondern durch Vergleich auch widerlegen kann. Die Kritik an den Ideologien besteht darin, die semantischen Partialfelder auf weiträumigere Korrelationen zu beziehen und dadurch die Partialität der Oppositionen deutlich zu machen." (Eco 1977: 186)