Soziologie-ein fliegender Holländer? https://soziologiedesunbewussten.blogspot.be/2015/12/blog-post

Soziologie- ein fliegender Holländer?

Mein Artikel aus "soziologie heute", Oktober 2015, s. Blog-Artikel vom 2.12.2015

Samstag, 23. Dezember 2017

Aktualisiertes Literaturverzeichnis 23.12.17

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Zahar, E. 2007: Why science needs metaphysics. A plea for Structural Realism. Chicago and La Salle: Open Court

Donnerstag, 21. Dezember 2017

Luhmann und die kritische Soziologie!


In der Kritik der Kritischen Theorie hat Luhmann noch sozialrealistische Intuitionen, wenn er auf die Differenz von „ideal“ und „real“ Bezug nimmt und das naive Soll-Ideal der Kritischen Theorie ontologisch mit der strukturellen Realität hinter den Phänomenen der Wirklichkeit vergleicht.
Später bügelt er in seiner Systemtheorie diese hierarchisch-ontologische Differenz sozialkonstruktivistisch-postmodern eindimensional glatt.

Die fundamentale Schwäche seines gewaltigen sozialkonstruktivistischen Theorie-Spiels ist die fehlende solide ontologisch/epistemologische und kausaltheoretische Basis, die auch seine hochbegabten Begriffsverrenkungen zum operativen Konstruktivismus und zum Funktionalismus nicht ersetzen können!

Aber seine Kritik an der Kritischen Theorie ist berechtigt:

„Ihrem Wissenschaftskonzept zufolge bezieht sich die Soziologie auf die soziale REALITÄT (Hervorhebung G.Sch.), wie sie faktisch vorhanden ist. Normative Fragen müssen dann aus dieser Realität heraus entwickelt, also nicht als Idealvorstellungen der Soziologie von außen an die Gesellschaft herangetragen werden. Das hat dazu geführt, die am Anfang des 19. Jahrhunderts noch übliche Konfrontierung von Ideal und Realität zu ersetzen durch die Doppelfrage: „Was ist der Fall?“ und „Was steckt dahinter?“ Nur für die >Aufhebung< dieser Differenz spielen Idealkonstruktionen (etwa: Emanzipation; oder: ein normativer Begriff von Rationalität) noch eine Rolle. Auf dieser Linie hat sich von Marx bis Habermas eine >kritische< Soziologie entwickelt, die Methodologie dadurch ersetzt, dass sie die Auffassungen ihrer (von ihr aus gesehenen Gegner) an ihren kritischen Ambitionen mißt. Dann steht aber das Urteil schon vor der Untersuchung fest.“ (Luhmann 2015: 36) 

Dienstag, 19. Dezember 2017

Der Soziologe als Weihnachtsmann!


Wer brav war, bekommt ein Kompetenz-Geschenk von Prof. Jörg Strübing, dem soziologischen Zensur-Papst (s. Artikel in meinem Blog vom 28.11.17 ) und Weihnachtsmann aus Tübingen:

„Es geht stark auf Weihnachten zu, da wird es Zeit über gegenseitiges Verstehen nachzudenken (das sollte ja eine Kernkompetenz jedes Soziologen sein).
Also: Verstehen wir einander noch?“ (SozBlog am 18.1217)
Rührend, nicht wahr!?  Warum haben wir uns nicht wieder alle lieb?
Aber wer böse Wörter benutzt, bekommt die Rute, tiefenhermeneutisch-sprachspielend korrekt:
„Aber kehren wir zu unserem eigenen Fach zurück: Neben dem Begriff der ‚Evidenz‘, der auch in der Soziologie um sich greift, sind auch die Begriffe ‚Analyse‘, ‚Hypothese‘, ‚Erklärung‘, ‚wissenschaftlich‘, ‚repräsentativ‘, ‚Daten‘, ‚Empirie‘, ‚Theorie‘, ‚objektiv‘, ‚subjektiv‘ vorzügliche Kandidatinnen, um über Sprachspiele und Sprachpolitik nachzudenken.
Ich knüpfe dazu wiederum an den aktuellen Fall der Akademie-Gründung an – nicht um „Akademie-Bashing“ zu betreiben, sondern weil er in seiner Aktualität ein gutes Dokument für die schon länger zu beobachtende sprachliche Entfremdung soziologischer Denktraditionen voneinander ist.“  (Strübing im SozBlog 18.1217) 
Und damit der Wirklichkeitswissenschaftler, der den kritischen Realismus ablehnt, nicht die WISSENSCHAFT aus den Augen verliert:
„Ein Zeichen für gute Wissenschaft ist nicht das Schließen, sondern das Öffnen von Begriffen. Die Arbeit am Begriff ist zentraler Teil (nicht nur) unserer Wissenschaft. Die dabei entstehende Ungewissheit ist nicht immer angenehm, aber gleichwohl ein wesentliches Erkenntnismittel.“ (Strübing SozBlog vom 18.12.17)

Wie wär’s da mit einem systemtheoretischen Begriffsexperten aus dem sozialkonstruktivistischen Nachbar-Glashaus, lieber wortgewaltiger Pippi Langstrumpf-Hermeneutiker???

„Aber Handlungen kann man sich leicht in Interaktionszusammenhängen vorstellen, wenn man Max Weber folgt und der Handlung einen sozial gemeinten Sinn unterstellt. Die Motive der Handelnden (und eventuell ihre rational auswählende Struktur) dienen dann zur Erklärung der Formen, die Interaktionen annehmen. Genau damit wird jedoch die andere Seite der Form ausgeblendet oder allenfalls als rational nicht wählbar mitgeführt. Die eine Gesellschaftstheorie primär interessierende Frage wäre jedoch, weshalb fast alle möglichen Handlungen und Interaktionen NICHT zustande kommen. Sie liegen offensichtlich außerhalb des Schemas möglicher Motive und rationaler Kalkulationen.

...

Die Neigung des methodologischen Individualismus (ob zwangsläufig oder nicht), am Individuum abzufragen, was es weiß oder meint, und dann die Daten statistisch auszuwerten, greift prinzipiell am Phänomen der Kommunikation vorbei, denn Kommunikation findet ihren Anlaß ja typisch im Nichtwissen. .....
Es ist auch völlig unrealistisch anzunehmen, ein Individuum wisse, was es nicht wisse.“ 
(Luhmann 2015: 39)

Das ist vollkommen zutreffend. 
Luhmann gerät erst selbst in eine methodologische Schieflage, wenn er sozialkonstruktivistisch bei Interaktionen kommunikationstheoretisch hängen bleibt, die genau so wenig die determinierenden Strukturen erklären können wie Handlungen.
Außerdem begreift er nicht die wissenschaftliche Orientierung an möglichst einfachen Erklärungen (Reduktion von Komplexität, z.B. E=mcc), die Notwendigkeit eines kritischen, ontologisch fundierten Realismus und die implizite Kausalitätsstruktur von funktionalen Beschreibungen und selbstreferentiellen Prozessen.

Zu seiner Empirie-Distanz formuliert er realistisch, selbstkritisch und zukunftsschwanger:

„Es wäre also viel damit zu gewinnen, könnte man Bekanntes aus ungewohnten, inkongruenten Perspektiven neu beleuchten oder anders kontextieren. Aber dafür fehlt derzeit eine ausgearbeitete Methodologie, die stärker, als man im allgemeinen annimmt, von Theorieentwicklungen abhängen dürfte.“ (Luhmann 2015: 42)


Genau hier setzen meine Andeutungen bezogen auf den „methodologischen Strukturalismus“ und die sozialrealistische „Soziologie des Unbewussten“ an, zu der mich vor allen Dingen Niklas Luhmann und Emile Durkheim angeregt haben.

Samstag, 16. Dezember 2017

Was ist Soziologie?

Der Soziologie-Professor aus Tübingen, Jörg Strübing, erklärt es uns:

"Es können also, mit Dahrendorf gesprochen, Leute etwas tun, was sie Soziologie nennen, und dann ist es auch Soziologie." (SozBlog am 11.12.17)

Wenn Karl Valentin oder die Marx-Brothers das im Programm gehabt hätten, wäre es genial gewesen!
Wenn das ein "Wissenschaftler" heute öffentlich sagt, ist das ein Zeichen für die postmodern-relativistische Verblödung an den Hochschulen.

Wissenschaft geht so, lieber Jörg Strübing, großer Experte für „tiefenhermeneutische Interpretationen“ und qualitativ hochwertige teilnehmende Beobachtung, der den Diskurs mit mir im SozBlog zum wissenschaftstheoretischen Fundament der Soziologie durch Zensur hilflos verweigert hat:

„For most of the history of our species, we had almost no success in creating such knowledge. Where does it come from? Empiricism said that we derive it from sensory experience. This is false. The real source of our theories is conjecture, and the real source of our knowledge is conjecture alternating with criticism. We create theories by  rearranging, combining, altering and adding to existent ideas with the intention of improving upon them. The role of experiment and observation is to chose between existing theories, not to be source of new ones. We interpret experiences through explanatory theories, but true explanations are not obvious. Fallabilism entails not looking to authorities but instead acknowledging that we may always be mistaken, and trying to correct errors. We do so by seeking good explanations- explanations that are hard to vary in the sense that changing the details would ruin the explanation. This, not experimental testing, was the decisive factor in the scientific revolution, and also in the unique, rapid, sustained progress in other fields that have participated in the Enlightenment.“ (Deutsch 2011: 32)

Hermeneutik ist eine wichtige philosophische Disziplin, ohne Frage! 
Aber was soll sie mit „Wissenschaft“ zu tun haben???

Ach, ich habe ganz vergessen, heute ist postmodern-relativistisch „Soziologie“ „Philosophie“ und „Philosophie“ „Soziologie“, wie dumm von mir!

Als man noch begrifflich scharf gedacht, hat man verstanden, dass es Überschneidungen und Wechselwirkungen z.B. zwischen Sozialphilosophie und Soziologie gab (s. Durkheim).

Heute ist das ein zäher, ungenießbarer Brei geworden, den wissenschaftliche Reaktionäre an Hochschulen dann noch theatralisch-absurd mit bereichernder „Interdisziplinarität“ verwechseln.

Donnerstag, 14. Dezember 2017

Byung-Chul Han und der Sozialrealismus!

Byung-Chul Han und die kapitalistische Selbstausbeutung!

Die Herrschaft der kapitalistischen Freiheitsideologie!

Han beschreibt die Wirkungsmechanismen der determinierenden Ideologie des Westens philosophisch in einer beneidenswerten Klarheit.

Sie bietet eine weitere Grundlage für eine sozialrealistisch-wissenschaftliche Soziologie, die nicht existiert.

Wissenschaft besteht im Unterschied zur Philosophie aus ERKLÄRUNGEN auf der Basis guter Philosophie (David Deutsch) plausibler Theorien, ihrer Hypothesen, ihrer Kritik und darauf aufbauenden empirischen Hinweisen auf die besseren Theorien.

Die Entdeckung sozialer Naturgesetze ist das Ziel einer wissenschaftlichen Soziologie.

Han’s Kritik am neoliberalen Kapitalismus, so scharfsinnig und zutreffend sie ist, gerät in das Fahrwasser emotional-ideologischer, in diesem Fall sozialistischer Verzerrung, wenn er, wie liberalistisch UND sozialistisch üblich, Markt (Instrument) und Kapitalismus (Ideologie) gleichsetzt.

Wenn der Wettbewerb die Ursache für die von ihm richtig beschriebenen Probleme ist, geraten synthetische Aspekte des Themas aus dem Blick.

Auf dem Abstraktionsniveau einer wissenschaftlichen Soziologie wird die Differenz von Markt und Kapitalismus sichtbar. 

Markt und Wettbewerb VON UNTEN schaffen Wohlstand und organisches Wachstum. 
Plan und organisierende Bürokraten haben sich evolutionär als klar unterlegen erwiesen.

Der Kapitalismus ist eine imperialistische Ideologie, die Märkte VON OBEN dominiert und damit den Wettbewerb von unten, das Wesen eines Marktes, konterkariert. 
Er benutzt die von der liberalistischen Ideologie praktisch und theoretisch ignorierte PSYCHISCHE Gewalt/Macht (individuell und strukturell), um Macht und Kapital zu akkumulieren.
Seine eindeutig identifizierbaren Wesensmerkmale sind milliardenschwere Werbung mit der Produktion von Konsumenten, das Zinssystem, der dadurch verursachte WachstumsZWANG und die Bastardökonomie.

Eine noch tiefer liegende Ursache, die die kapitalistische Freiheitsideologie selbst entscheidend verursacht hat, ist die Aufklärung und die liberalistische Ideologie des freien Willens!

Wenn jeder Mensch frei und rational entscheiden kann, was er tut/denkt/fühlt, gibt es keine steuerungsrelevanten Strukturen!

Wahr ist dagegen, dass die medial-wissenschaftliche Steuerung der von Han wunderbar beschriebenen „freiwilligen“ Selbstausbeutung der Menschen auf dem Hintergrund der postmodern-relativistischen Ontologie/Erkenntnistheorie das Verhalten der Masse/Mehrheit (Verhaltensverteilung) VERURSACHT.


Der von mir angedeutete „methodologische Strukturalismus“ bietet einen Forschungsrahmen, diese Zusammenhänge wissenschaftlich zu erforschen, jenseits der systemtheoretisch entstandenen Komplexitätsideologie, des irreführenden „methodologischen Individualismus“ und der emotional-ideologischen Spielplätze der qualitativen Forschung und der kritischen Theorie.
Wir wollen gesund, fit, schön und leistungsstark sein, wir…

Montag, 11. Dezember 2017

Die WISSENSCHAFTLICHE Identität der Soziologie?

Es gibt sie schlicht nicht!

Prof. Jörg Strübing bestreitet das am 11.12. 2017 im SozBlog mit dem Griff in die Zitaten-Klamottenkiste:
"Es können also, mit Dahrendorf gesprochen, Leute etwas tun, was sie Soziologie nennen, und dann ist es auch Soziologie."

Na, wenn das nicht postmodern-relativistische Verblödung pur ist, Dahrendorf hin oder her, sondern die Definition für Soziologie, dann braucht man sich nicht mehr über die katastrophale Wirkung der Soziologie in der Wissenschaft und der Gesellschaft zu wundern, Herr Professor!

Wenn ich einen Blumentopf von der Fensterbank nehme, ist das Soziologie, wenn ich das Soziologie nenne! 
Das ist die Logik eines Soziologie-Professors der Postmoderne, gratuliere, Kurt Gödel wäre neidisch!

100 Jahre nach dem Tod von Emile Durkheim, befindet sich die Hochschul-Soziologie in vier Sackgassen, die den Weg in die wissenschaftliche Zukunft einer sozialREALISTISCHEN Soziologie versperren:

1.) die soziakonstruktivistische, interaktionistisch angelegte Systemtheorie Luhmanns, die sozialphilosophisch und heuristisch interessant ist, aber zu einer fatalen Komplexitätsideologie, wissenschaftlich und gesellschaftlich, geführt hat (öffentlich-wissenschaftliche Wirkung= aufgeblasene Rhetorik, Unterhaltung für eine kleine, intellektuelle Elite),

2.) die qualitative, interpretative Sozialforschung, die für absurde sozialkonstrukivistischen Horrortheorien und interaktionistische Kurzschlüsse bei der Erforschung sozialer Strukturen verantwortlich ist, prominent repräsentiert z.B. durch die Gender-Ideologie Judith Butlers (öffentlich-wissenschaftliche Wirkung= sozialpsychologischer Kindergarten bis zu "absurdes Theater"),

3.) der methodologische Individualismus, der seit Weber den wissenschaftlichen Zugang zu sozialen Strukturen und ihren Wirkungen auf die Verhaltensverteilungen wissenschaftlich und emotional-ideologisch blockiert (öffentlich-wissenschaftliche 
Wirkung= verkappte Psychologie, dann lieber direkt wissenschaftliche Psychologie).

4.) die kritisch-sozialistische Theorie, die den Kapitalismus auf der Basis ihrer sozialistischen Gemeinschafts- und Solidaritätsideologie, mit marxistischen Versatzstücken garniert, gesinnungsethisch größenwahnsinnig angreift, ohne selbst genauso wie die Liberalisten die Differenz zwischen Kapitalismus (Ideologie) und Markt (Instrument) auf den Begriff zu bringen, geschweige denn soziale Prozesse generell zu analysieren (öffentlich-wissenschaftliche Wirkung= emotional-ideologische Reduktion von Soziologie auf Sozialismus).


Die Hochschul-Soziologie hängt postmodern-relativistisch desorientiert in der Luft und merkt es nicht einmal.

Die aktuelle Neugründung der "Akademie für Soziologie" belegt diese Tatsache und die hilflose und wissenschaftlich dilettantische "Diskussion" in der DGS über diese Abspaltung (s. exemplarisch Prof. Jörg Strübing aktuell im SozBlog).

Sie ist wissenschaftlich (wissenschaftstheoretisch und theoretisch) "... abgestürzt wie ein Computer", wie Prof. Gerhard Wagner es zutreffend formuliert.

"Kürzlich hat ein Sonderheft der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie (herausgegeben von Jürgen Friedrichs und Alexandra Nonnenmacher) wieder auf die Bedeutung von sozialem Kontext für die Soziologie aufmerksam gemacht. Gemeint ist: Der Mensch hängt stark von seinem Umfeld ab." (A. Diekmann, September 2016 in der SZ)

Na, wenn das nicht eine neue, geniale Erkenntnis und interpretative, geistige Höchstleistung der sozialkonstruktivistischen und der kritischen Hochschul-Soziologie im Jahr 2016 ist!????





Die Soziologen halten gerade einen großen Kongress in Bamberg ab. Aber sie drohen die Digitalisierung und neue Forschungsmethoden zu verschlafen. Ein kritischer Gastbeitrag aus der Kollegenschaft.
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